Achtung Silvester – eine große Gefahr für Senioren

Achtung Silvester

© Brad Pict – Fotolia

Nun ist es wieder so weit. Der Jahreswechsel steht vor der Tür und viele Jugendliche, aber auch deren Eltern freuen sich auf eine ausgelassene Feier, vor allem aber auch auf eine laute Begrüßung des neuen Jahres mit Raketen und Böllern. Doch des einen Freud wird ganz schnell zu des anderen Leid, nämlich für unsere Angehörigen, die demenziell erkrankt sind.

Was steckt dahinter?

Viele unserer Senioren haben den Krieg noch in Erinnerung. Der Schock und die unvorstellbaren Erlebnisse, denen sie damals schutzlos ausgeliefert waren, stecken ihnen bis heute in den Knochen. Sie waren damals Kinder und Jugendliche, als ihre Häuser und Wohnungen unter dem Bombenhagel der alliierten Verbände in Schutt und Asche versanken. Feuersbrünste, Schreie, Tod, Leid und ein tiefes Elend sind damit verbunden und liegen meist gut abgespeichert in den hintersten Schichten des Gedächtnisses. Das ganze Leben lang hieß die Devise unserer Senioren: „Nur nicht daran denken!“ Die wenigsten haben darüber gesprochen.

Nun kann es sein, dass die Demenz die Schichten der Verdrängung und des Vergessens Stück für Stück abträgt und die Erlebnisse aus längst vergangener Zeit freilegt. Das ist für die Betroffenen sehr schlimm, weil sie in ihrer Verwirrtheit nicht mehr begreifen können, dass es sich um Erinnerungen handelt und nicht um Realität.

So kehren Schrecken und Angst zurück und fügen abermals großes seelisches Leid zu.

An Silvester wird das Ganze nochmals getoppt, indem knallende Raketen und Böller zusätzlich verheerende akustische Sinnesreize setzen.

Das hat fatale Folgen für unsere demenziell Erkrankten. Für sie heißt das Signal: „Es ist Krieg!“

Nun stellt sich die Frage: „Wie können Sie das vermeiden?“

Ich rate Ihnen zu schallisolierenden Maßnahmen: Kaufen Sie schon jetzt lärmabweisende Ohrenstöpsel oder kompensieren sie den Lärm zu Silvester mit Kopfhörern und schöner Musik, die das vermeintliche Kriegsgetümmel übertönt.

Achten Sie darauf, dass Ihr demenziell Erkrankter in der Silvesternacht nicht alleine in einem Zimmer liegt oder sitzt. Halten Sie seine Hand und zeigen Sie spürbar physische Präsenz.

Mit diesen Maßnahmen können Sie viel Lärm kompensieren.

Erzählen Sie auch den Kindern und Jugendlichen in der Familie davon, welche Erinnerung dieser Silvesterlärm auslösen kann. So wird aus einem negativen Anlass eine große Chance für alle in der Familie wieder dazuzulernen.

Nun wünsche ich Ihnen einen guten Rutsch und viel Kraft fürs neue Jahr

Ihre Eva-Maria Popp


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