Auch pflegende Angehörige benötigen eine Auszeit!

Die Verhinderungspflege macht`s möglich

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Immer mehr pflegende Angehörige leiden unter diversen Stresssymptomen bis hin zum Burn-out. Das ist ein großes Problem für den Betroffenen selbst, den demenziell Erkrankten und das gesamte Umfeld.

Wie soll es weitergehen, wenn der Hauptverantwortliche innerhalb der Gruppe der pflegenden Angehörigen in einer Familie unter der Last der Pflege und Fürsorge zusammenkracht?

Dann spielen sich ganze Dramen ab, die leider nicht mehr zu verhindern sind, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

Verhinderungspflege macht die Auszeit gegen den Stress möglich

Deshalb lohnt es sich, rechtzeitig über eine gezielte Antistress-Strategie in Form einer Auszeit nachzudenken.

Damit das möglich ist, hat der Gesetzgeber für alle pflegenden Angehörigen, die einen Menschen ab Pflegestufe 1 versorgen, die sogenannte Verhinderungspflege eingeführt.

Pro Jahr stehen dafür 1550 Euro zur Verfügung, die auch an Privatpersonen ausgezahlt werden können. Allerdings scheiden direkte Verwandte aus.

So kann sich der pflegende Angehörige in regelmäßigen Abständen für einen Tag oder auch einmal am Stück vollkommen aus dem Pflegealltag zurückziehen und die stark beanspruchten Akkus wieder volltanken.

Als Ersatz kann er auf vertraute Menschen aus dem Umfeld des demenziell Erkrankten zurückgreifen. Das können Nachbarn sein oder Freunde und Bekannte, die dafür aus dem Topf, der für die Verhinderungspflege zur Verfügung steht, einen angemessenen Obolus erhalten. Natürlich stehen auch Pflegeprofis zum Einsatz in der Verhinderungspflege zur Verfügung.

Geld für Verhinderungspflege wird nicht abgerufen

Nun stellt sich die Frage, warum das Geld, das für die Verhinderungspflege zur Verfügung steht, so selten abgerufen wird. Immer wieder klagen die Pflegekassen, dass das bereitgestellte Geld im Topf bleibt. Dafür steigen die Kosten für stressbedingte Krankheiten bei den pflegenden Angehörigen.

Ein gewichtiges Argument ist mit Sicherheit die Unwissenheit. Viele pflegende Angehörige wissen einfach nicht, dass es die Möglichkeit der Verhinderungspflege gibt.

Das schlechte Gewissen der pflegenden Angehörigen verhindert Auszeit

Andere wiederum können nicht loslassen und trauen sich nicht, eine Auszeit zu nehmen. Sie sind vermeintlich der Meinung, dass sie das nicht dürften.

Doch genau das Gegenteil ist der Fall:

Sie MÜSSEN sich regelmäßig eine Auszeit nehmen und diese für sich und ihre Regeneration nutzen. Das hat etwas mit Verantwortung für die Gesamtsituation zu tun, da sie diese Auszeit vor einem Totalzusammenbruch mit schlimmsten Folgen für das gesamte Umfeld schützt.

Wenn Sie Schwierigkeiten mit dem Loslassen haben, dann empfehle ich Ihnen, mein Buch „Pflege und Beruf unter einen Hut“ zu lesen. Darin leite ich pflegende Angehörige an, die Gesamtsituation Demenz in den Griff zu bekommen. Auch das Loslassen als Voraussetzung für eine gezielte Auszeit spielt dabei eine Rolle und wird geübt.

Nun wünsche ich Ihnen, dass Sie sich schnell zu Ihrer kleinen Pflegepause entschließen können, damit Sie Ihrer Pflegeaufgabe auch in Zukunft gewachsen sind.

Ihre Eva-Maria Popp

 

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