Diagnose Demenz – was nun?

Diagnose Demenz

© Andrey Kiselev – Fotolia

Wenn die Demenz das ÜBERICH in den Ruhestand schickt und das Glück entdeckt

Steht die Diagnose Demenz im Raum, hat das für alle Beteiligten eine sehr abschreckende Wirkung. Der Betroffene selbst ist voller Angst und Unsicherheit, weil er nicht weiß, was auf ihn zukommt und natürlich machen sich auch die Angehörigen Gedanken,  was diese Diagnose in den folgenden Jahren bedeuten wird.

Deshalb ist es heute meine Absicht, Sie in die außergewöhnliche Welt der Demenz mitzunehmen und Ihnen andere –  zugegeben unerwartete – Gedanken mit auf den Weg zu geben.

Mein Motto für die Entdeckung dieser ungewöhnlichen Gedankenwelt lautet:

Auch in der Demenz kann eine Chance für Lebensglück liegen.

Wie komme ich zu dieser Aussage? Ganz einfach: sie entspricht meiner Erfahrung und ist das Ergebnis von vielen Gesprächen und Beobachtungen mit demenziell veränderten Menschen, aber auch von sogenannten Gesunden.

Viele Menschen stehen ein ganzes Leben lang unter Druck und unter Zwängen.

  • Das tut man nicht.
  • Das darfst du nicht.
  • Das schickt sich nicht.
  • Mach schneller!
  • Arbeite mehr!

Ich könnte die Liste dieser „dos und don’ts“ unendlich fortsetzen –  sie würde nie enden.

Was heißt das für uns? Es heißt, dass wir manchmal ein ganzes Leben fremdgesteuert sind und uns lediglich danach richten, was andere von uns erwarten und was man tut oder eben auch nicht.

Das Lebensglück bleibt dabei häufig auf der Strecke.

Diese Einsicht finde ich ziemlich traurig und genau darin liegt die Chance für den demenziell Veränderten,  aber auch seine Angehörigen. Die Demenz kann uns von den Zwängen und den vielen Geboten und Verboten erlösen. Sie kann uns befreien aus dem Elfenbeinturm von Knigge und Co.

Genau das habe ich schon oft im Umgang mit dementen Menschen erlebt und habe auch die Wirkung gesehen. Es ist schon ein einschneidendes Erlebnis, wenn die Grande Dame plötzlich einmal flucht und mir sehr deutlich sagt, ich solle mich zum Teufel scheren mit meinem Manikürset. Es mag uns einerseits schocken, andererseits sind diese Gefühlsausbrüche sehr ehrlich und authentisch. Sie sind voller Energie und zeigen die ungeschminkte Wahrheit. Der Lack der guten Erziehung sowie die Makulatur der Zwänge beginnen abzublättern. Zurück bleibt ein befreites „Ich“ und ein vitales „Es“. Das strenge „ÜBERICH“ wurde von der Demenz in den Ruhestand geschickt.

So gesehen kann die Demenz auch eine Chance sein, endlich frei zu leben und die eigene Vitalität zu entdecken. Das Lebensglück eines unbefangenen Lebens kann sich endlich einstellen und die pure Freude am Ausleben von vielen kleinen Dingen, die man bislang nie durfte, kann sich nun den Weg ans Licht bahnen. Das nenne ich das kleine Glück.

Sicher ist und bleibt das Leben mit Demenz vor allem auch für die pflegenden Angehörigen ein schweres Schicksal. Ich würde mich freuen, wenn ich Ihnen mit diesen Zeilen trotz allem einen kleinen Ausblick in eine positive Betrachtungsweise dieses Schicksals eröffnen konnte.

Nun wünsche ich Ihnen noch viele gute Gedanken und Momente des kleinen Glücks.
Ihre Eva-Maria Popp

Empfohlene Produkte

Weiterführende Links

Artikel weiterempfehlen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.