Die Welt ist voller Alzheimer

Die Medien haben Alzheimer entdeckt

© Hunor Kristo – Fotolia

Die Medien haben die Demenz entdeckt. Til Schweiger hat mit seinem Film „Honig im Kopf“ den Vorreiter gemacht. Danach hat Hollywood als die höchste Instanz in Sachen Film nachgezogen und mit „Still Alice“ ein sehenswertes Werk zum Thema frühe Demenz geschaffen. Nun ist die Welle losgetreten und scheinbar nicht mehr aufzuhalten. Ob sonntäglicher Herzschmerz-Film, der gerade bei uns Damen unter dem Label „Herzkino“ im ZDF auf die Tränendrüse drückt, Krimis mit „harten Kerlen“ oder die nette Vorabend-Serie Dr. Klein … alle haben nur noch ein Thema: Demenz, Alzheimer und alles, was an Drama dazugehört.

Nun frage ich mich, wie es Ihnen, den pflegenden Angehörigen, oder auch den demenziell Erkrankten selbst geht?

Ist es Fluch oder Segen, dass wir auf Schritt und Tritt in Kino und Fernsehen auf unser eigenes Schicksal hingewiesen werden? Wie geht es Ihnen damit, dass Ihnen die Medien ständig den Spiegel vorhalten?

Darüber habe ich mit einigen von Ihnen während der Signierstunde auf der Leipziger Buchmesse persönlich gesprochen:

Die einen empfinden es als Segen, weil sie die Medienpräsenz von Alzheimer als eine Welle der Solidarität empfinden und sich davon mehr Verständnis der Umgebung erhoffen, die in diesem Zuge aufgeklärt wird. Die anderen dagegen fühlen sich in ihren Erholungsphasen gestört. Sie möchten sich zu Recht vom Fernsehen berieseln lassen und empfinden den ständigen Spiegel als Zumutung. Wo bleibt der Abstand, wo bleiben die Auszeit und der Rückzug?

Ich kann beide Argumente sehr gut verstehen:

Natürlich ist es sehr wichtig, dass ENDLICH über die Krankheit, die das Leben der betroffenen Familien aus den Angeln hebt, öffentlich gesprochen wird. Das hilft, Tabus zu durchbrechen und schafft eine Atmosphäre des offenen Umgangs und erleichtert somit das Leben der „Alzheimerfamilien“. Allerdings verstehe ich auch die betroffenen Angehörigen, denen es einfach zu viel ist, wenn sie während der seltenen Auszeiten nun auch noch in Kino und Fernsehen mit ihrem eigenen Schicksal konfrontiert werden.

Ich kann Ihnen nur raten, dass Sie für sich gut abwägen, ob Sie Ihre Freizeit ebenfalls mit Alzheimer verbringen oder sich bewusst davon fernhalten.

Haben Sie überhaupt freie Zeit? Gelingt es Ihnen, eine Auszeit zu nehmen? Denken Sie daran, dass die Auszeit Ihren Energiehaushalt in der Waage hält und somit oberste Priorität hat!

Umso wichtiger ist die Frage, wie und mit welchen Inhalten Sie diese kostbare Zeit verbringen.

In unserem Blog haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung kundzutun. Schreiben Sie uns, wie es Ihnen mit der Medienpräsenz von Alzheimer, Demenz und Co. geht!

Ich bin gespannt auf Ihre Statements und Antworten und verspreche Ihnen, dafür zu sorgen, dass Ihre Meinung von den Verantwortlichen in den Medien gehört wird.

Nun wünsche ich Ihnen eine angenehme Karwoche und viel Kraft bei Ihrer Lebensaufgabe

Ihre Eva-Maria Popp

 

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