Mentales Fitnessprogramm gegen den Kräfteschwund

Mentales Fitnesstraining

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Tag und Nacht im Einsatz – das ist das Standardprogramm von pflegenden Angehörigen. Der Tag beginnt mit der Sorge und Fürsorge für den zu Betreuenden und endet mit den Gedanken um die Sorgen und Nöte. Dazu kommt die körperliche Belastung, wenn der demenziell Erkrankte auch noch körperlich beeinträchtigt ist.

Meine Damen, meine Herren – so kann es nicht weitergehen. Sie leben in einem gefährlichen Zustand der Dauerspannung. Wie leicht kann es passieren, dass das überspannte Band, in diesem Fall das Nervenband, reißt. Das hätte fatale Folgen für die ganze Familie und vor allem auch für den zu Betreuenden.

Deshalb appelliere ich an Sie, dass Sie Ihre Pflicht sehr ernst nehmen und alles dazu tun, um Ihre Kräfte zu erhalten.

Tipps gegen den Kräfteschwund:
Lernen Sie, abzugeben und vor allem um Hilfe zu bitten. Das zeugt von einem souveränen Umgang mit der Gesamtsituation. Es gibt viele Helfer, die gerne Tätigkeiten übernehmen, sie müssen es nur wissen, dass sie gebraucht werden.

So können Sie alle Formen der professionellen Hilfe annehmen, wie Pflegedienste, Beschäftigungs- und Betreuungsleistungen, die bis zu 200 Euro pro Monat ergeben und die Sie individuell einlösen können, um z.B. einmal ungestört Zeit zu haben für einen Friseurbesuch.

Aber auch Verwandte, Nachbarn und andere Senioren sind oftmals gerne bereit, Sie bei Ihrem täglichen Kampf gegen die Zeit und Ihre schwindenden Kräfte zu unterstützen.

So gibt es in vielen Pfarrhäusern Adressen von Senioren, denen es wichtig ist, gebraucht zu werden, und die sich über eine sinnvolle Beschäftigung freuen. Welch ein Segen für alle Beteiligten.

Eine weitere Möglichkeit der Unterstützung und Hilfe erhalten Sie in Gesprächskreisen und Selbsthilfegruppen. Dort können Sie sich zum einen wieder Kraft holen, indem Sie sich mit Gleichgesinnten austauschen. Sie können sich aber auch gegenseitig Zeitfenster schaffen. An einem Tag übernehmen Sie für ein paar Stunden die Pflege und Sorge für zwei demenziell Erkrankte, am nächsten Tag übernimmt der „Pflegesharepartner“  dafür Ihren Angehörigen.

So ist Ihnen geholfen und Ihrem Sharepartner. Sie werden sehen, Sie müssen es nur ausprobieren und etwas kreativ sein in der gemeinsamen Organisation. Wenn sich dieses Procedere eingespielt hat, werden Sie begeistert sein, wie leicht Sie damit für sich persönlich ein paar freie Stunden pro Woche gewinnen.

Nun heißt es, diese Stunden effizient im Sinne von Kräftetanken einzusetzen

Bewegung:
Wenn Sie zu den Bewegungstypen gehören, dann können Sie am besten entspannen, wenn Sie für sich die richtige Bewegungsform gefunden haben. Das kann Walken sein, einfaches Spazierengehen, Laufen, Schwimmen oder Radfahren. Wichtig: Sie sollten es regelmäßig durchführen, weil sich der Körper allmählich auf die Entspannungsphase über die Bewegung einstellen soll.

Yoga oder autogenes Training:
Für alle, die nicht zu den Bewegungstypen gehören, sind alle Formen der Entspannung gut. Sie können die diversen Methoden in einem Kurs erlernen oder auch über die Medien üben. Wichtig, Sie MÜSSEN es regelmäßig tun. Dann wird die Entspannungsmethode Ihrer Wahl zur Kraftquelle.

Kleine Wellnesseinheit für zwischendurch:
Eine sehr gute Methode, um Kräfte zu sammeln, ist es, kleine MINUTENEINHEITEN in den allgemeinen Tagesablauf einzubauen.

Gehen Sie vor dem Zubettgehen oder auch tagsüber auf den Balkon oder vor das offene Fenster und atmen Sie für eine Minute bewusst durch die Nase ein! Riechen Sie die Luft! Wie riecht sie? Nach Frühling, nach Schnee, nach frisch gemähtem Gras?

Diese Riecheinheit stellt eine nicht versiegende Kraftquelle dar und entpuppt sich als wahrer Energiespender, wenn Sie sie regelmäßig durchführen. So wird aus einer Minute bewussten Atmens eine Powerbar.

Nun gilt es im nächsten Schritt darüber nachzudenken, welche Arbeiten Sie eigentlich ganz wegfallen lassen könnten?

Ist es wirklich wichtig, dass jeden Tag Staub gewischt wird?

Ist es wirklich wichtig, dass die Treppe jeden Tag gefegt wird?

Nun sind Sie an der Reihe, diese Aufzählung fortzuführen und die Tätigkeit innerhalb Ihres täglichen Aufgabenplans zu finden, die Sie in Zukunft wegfallen lassen werden.

Fazit:

  • Wo und wie können Sie Zeit einsparen?
  • Wie können Sie Kraft tanken?
  • Wer kann helfen?

Beginnen Sie hier und heute mit der Umsetzung dieser Tipps!

Sie werden bald die Früchte dieser Umstellung ernten und sich wieder wohlfühlen. Das kommt auch Ihrem Angehörigen zugute.

Viel Erfolg beim Entspannen und Zeitsparen wünscht Ihnen
Eva-Maria Popp

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