Mit kleinen Pausen gegen Burnout

Mit kleinen Pausen gegen Burnout

© Miriam Dörr – Fotolia

Besonders pflegende Angehörige gehören zur der Gruppe, die am häufigsten vom Burnout-Syndrom betroffen sind. Sie zerreißen sich im wahrsten Sinne des Wortes zwischen der Pflege, dem Berufsalltag oder/und dem Haushalt. Die eigenen Bedürfnisse, das eigene „Ich“ kommt dabei in der Regel gar nicht mehr vor, weil wir vermeintlich keine Zeit für die Befriedigung eigener Bedürfnisse haben bzw. der Fokus so intensiv auf der Pflege und Fürsorge unseres demenziell veränderten Angehörigen liegt, dass wir die eigene Person gar nicht mehr spüren und wahrnehmen. Das kann allerdings fatale Folgen haben. Menschen, die sich selbst und ihre Bedürfnisse stress- und zeitbedingt permanent leugnen, kommen in der Folge im eigenen Bewusstsein nicht mehr vor. Das heißt, die eigene Seele läuft ins Leere! Vergleichbar mit einem Motor, der ohne Öl betrieben wird. Auch der läuft heiß und frisst sich selbst. Was man bei einem Motor in der Werkstatt relativ einfach reparieren kann, indem man die kaputten Teile austauscht, kann beim Menschen allerdings zu einem großen Problem werden. Wie tauscht man eine leere Seele aus, die sich selbst aufgefressen hat?

Wenn dieser „worst case“ eingetreten ist, ist es einfach zu spät für die arme Seele. Es braucht Jahre, um wieder ins Lot zu kommen.

Deshalb ist es für pflegende Angehörige von größter Wichtigkeit, sich prophylaktisch mit dem ernsten Themenkomplex Burnout zu beschäftigen und eigenverantwortlich dafür zu sorgen, dass es erst gar nicht so weit kommt.

Durch einfache Übungen, die Sie jeden Tag in Ihren Alltag einbauen, können Sie so viel Energie zurückgewinnen, dass Sie sehr gut gegen das Ausbrennen geschützt sind. Wichtig ist, dass Sie jeden Tag kleine Wellnesseinheiten durchführen. In der Regelmäßigkeit, vor allem aber im bewussten Umgang mit sich selbst liegt die „Zauberkraft“ für das eigene „Ich“. Dieses vernachlässigte „Ich“ muss ernstlich und nachhaltig spüren, dass es wieder wahrgenommen wird. Dann ist es zufrieden und bezieht die nötige Energie aus den kleinen Spüreinheiten, die es einfach für einen intakten Seelenmotor braucht.

Natürlich fragen Sie zu Recht, wie denn diese kleinen Alltagsübungen aussehen können.

Das lege ich ganz in Ihre Hände.

Woran haben Sie Freude?

An einem kleinen Gänseblümchen, das beim täglichen Spaziergang aus dem Asphalt sprießt?

Ja? Dann liegt es an Ihnen, sich kurz zu bücken und sich am Anblick zu erfreuen.

An schöner Musik?

Dann ist es Ihre Aufgabe, Ihren Morgen mit Ihrem persönlichen Lieblingsstück zu versüßen – und zwar bevor der Alltag beginnt. Nehmen Sie sich 5 Minuten für Ihr persönliches Morgenkonzert. Wenn Sie eher eine Nachteule sind, dann sollten Sie Ihr tägliches Wellnesskonzert als Mitternachtsshow zelebrieren.

An Bewegung?

Dann liegt es an Ihnen, die Treppe des Hauses als Stepper zu verwenden und 10 Minuten auf und ab zu laufen. Die Energie, die Sie dabei freisetzen ist Ihre persönliche Energiedusche.

Sie sollten sich schnellstmöglich auf den Weg machen und Ihre persönlichen Vorlieben und Freuden herausfinden, die Sie jeden Tag zu Ihrem kleinen, aber feinen und vor allem „tragbaren“ persönlichen Mitnahme-Wellnesscenter ausbauen.

Nun kann ich förmlich Ihre Gegenargumente hören:

„So einfach ist das nicht.“

„Was sind schon 5 Minuten am Tag?“

„Wegen 5 Minuten fange ich doch gar nicht an!“

Da muss ich Ihnen gewaltig widersprechen! Steter Tropfen höhlt den Stein und die 5 Minuten, die Sie sich bewusst für sich und Ihr Wohlbefinden abzwacken, die geben so viel Energie und Schwung in die richtige Richtung, dass Sie noch Stunden später davon profitieren.

In der Fachsprache und der Psychotherapie bezeichnet man dieses „5-Minuten-Phänomen“ als „das Prinzip der kleinsten Schritte“– und das ist eine der wirksamsten Maßnahmen in der Burnout-Prophylaxe.

Selbstverständlich sollten Sie nach Möglichkeit auch längere Pausen einbauen. Allerdings lehrt uns die Erfahrung, dass gerade pflegende Angehörige sich selbst immer wieder auf morgen vertrösten, wenn es um die persönliche längere Auszeit geht. Deshalb ist es besser, das Prinzip der kleinsten Schritte jeden Tag einzubauen, als immer auf den großen Entspannungsmarathon zu warten, der selten kommt.

Auch hier gilt:
„Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“

Nun wünsche ich Ihnen viel Kraft und viele kleine Momente der Freude.
Ihre Eva-Maria Popp

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