Mit Musik eine Brücke zu den Erinnerungen bauen

Ein Bett im Kornfeld

Bett im Kornfeld

© arturnyk – Fotolia

Dieser Schlagertitel hat es in sich für Wolfgang. Er ist 73 Jahre alt und vor zweieinhalb Jahren wurde bei ihm Demenz diagnostiziert. Einmal in der Woche geht er mit Bianca Mattern in den Pferdestall zum Arbeiten. Bianca ist die Chefin von „NonnaAnna® – Montessori für Senioren“. Die Stallarbeit ist eine individuelle Betreuung und Beschäftigung für Wolfgang und wird von der Pflegekasse bezahlt. Diese Aufgabe gibt ihm das Gefühl wichtig zu sein, etwas zu leisten. Vor allem reißt sie ihn aus seiner depressiven Stimmung heraus. Er genießt es, mit Bianca zu schuften und zu schwitzen. Voller Energie füllt er die Schubkarre mit Stroh und fährt sie zu den Pferdeboxen. Da Bianca durch die lange Zusammenarbeit mit Wolfgang weiß, dass seine zweite Leidenschaft neben der körperlichen Arbeit die Schlager der 60er- und 70er-Jahre sind, nutzt sie die Chance und baut die Brücke vom Stroh zum „Bett im Kornfeld“. … und schon geht’s los.

Wolfgang trällert voller Inbrunst und mit großer Freude sein Lieblingslied vom Bett im Kornfeld. Dabei hat er sowohl den Liedtext als auch die Melodie fehlerfrei im Kopf. Souverän wechselt er zum nächsten Lied „Rote Lippen sollst du küssen, denn zum Küssen sind sie da …“ und zum nächsten „Weiße Rosen aus Athen“.

Nach den „Weißen Rosen …“ hält er inne. „Weiße Rosen, die habe ich meiner Frau zur Hochzeit geschenkt.“ Das nächste Fass wird geöffnet. Wolfgang erzählt von seiner Hochzeit, vom Kennenlernen, von seiner Liebe zu seiner Frau und vielem mehr.

Bianca und Wolfgang kommen mit ihrer Unterhaltung „vom Hölzchen aufs Stöckchen“. Eine Sensation! Wolfgang, der sich vermeintlich nichts mehr merken kann, der darunter leidet, dass er alles vergisst … Die Musik hat seine Schatztruhe geöffnet, die tief in seinem Inneren schlummert. Einer Kiste voller Erinnerungen, die ihm beim Erzählen das tiefe Gefühl von Wissen gibt, über das er verfügen kann und zu dem er Zugang hat.

Danke Bianca, dass du mit deiner Methode „Montessori für Senioren“ und „NonnaAnna®“ die Brücken zu den Erinnerungen der Menschen baust. Damit sorgst du für die wundervollen Momente der geistigen Präsenz, des Erinnerungsvermögens und des Glücks.

Sicher hat auch ihr Angehöriger mit Demenz Lieblingslieder und Lieblingsaufgaben. Sie werden erstaunt sein, welche Schätze auch Sie mit Ihrem Angehörigen heben können.

Viel Freude beim gemeinsamen Singen wünscht Ihnen

Eva-Maria Popp

 

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