Das kleine 1×1 des Pflegegeldes

So erhalten Rechenfüchse mehr Pflege und mehr Geld

Das kleine 1×1 des Pflegegeldes

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Wenn in einer Familie ein Mitglied zum Pflegefall wird, geht es zum einen meist darum, eine psychologische Hürde zu nehmen und zum anderen geht es um viel Geld.

Die psychologische Hürde liegt in der Akzeptanz der eigenen Bedürftigkeit, womit die meisten Menschen ein mehr oder minder großes Problem haben. Ein „Pflegefall“ zu sein, hat für viele Menschen einen unangenehmen Beigeschmack und gerade ältere Pflegebedürftige weigern sich aus falsch verstandenem Stolz heraus strikt, einen Antrag auf Pflegegeld zu stellen. Dabei ist die finanzielle Hilfestellung ein wichtiger Beitrag zu mehr Lebensqualität und Lebensfreude – sowohl für den zu Pflegenden als auch für den pflegenden Angehörigen.

Das Pflegegeld erlaubt es, sich auch bei kleinem Budget die eine oder andere Hilfe zu leisten. Unterm Strich geht es um viel Geld. Deshalb lohnt es sich, zu rechnen und zu kalkulieren.

Ich werde Sie heute in die Grundbegriffe des Pflegegeldes einführen, damit es Ihnen leichter fällt, sich zwischen den einzelnen Varianten der Auszahlung und der Hilfestellungen, die Sie in Anspruch nehmen können, zu entscheiden.

Grundsätzlich müssen Sie bei Ihrer Pflegekasse einen Antrag stellen, um die Einstufung des zu Pflegenden in eine bestimmte Pflegestufe vornehmen zu lassen. Nach dieser Einstufung gibt es die Möglichkeit der Angehörigenpflege, der professionellen Pflegeleistung über einen Pflegedienst oder der kombinierten Pflegeleistung.

Eine der wichtigsten Fakten in diesem Zusammenhang ist, dass das Pflegegeld bei der Angehörigenpflege wesentlich geringer ausfällt als bei der Inanspruchnahme eines professionellen Pflegedienstes.

Lassen Sie mich das an einem Beispiel verdeutlichen:

Nehmen wir an, Ihr zu Betreuender hat Pflegestufe 1.

Wenn Sie und/oder weitere Angehörige ihn selbst pflegen, dann stehen dafür von der Pflegekasse 235 Euro monatlich zur Verfügung.

Sollten Sie allerdings einen professionellen Pflegedienst mit der Erbringung der nötigen Hilfestellung und Fürsorge beauftragen, dann wird das mit 450 Euro monatlich vergütet.

Eine dritte Variante ist es, die Pflegeleistungen zu kombinieren. Zum einen beauftragen Sie für bestimmte Tätigkeiten einen professionellen Pflegedienst, den Rest erledigen Sie selbst. Nun heißt es rechnen:

In diesem Kombifall werden von der Pflegekasse wiederum 450 Euro zur Verfügung gestellt. Der Pflegedienst rechnet davon seine Leistungen ab. Von dem Betrag, der dann noch übrig bleibt, erhalten Sie, der die Angehörigenpflege vornimmt, die Hälfte.

Auch hierzu ein Beispiel:

Der Pflegedienst stellt monatlich 250 Euro in Rechnung.

Somit bleiben vom gesamten Pflegegeld noch 200 Euro übrig. Davon bekommen pflegende Angehörige die Hälfte.

Fazit: 450 Euro stehen zur Verfügung, 250 Euro verbraucht der Pflegedienst und 100 Euro verbleiben für die Leistung durch die Familie.

Wie Sie sehen, lohnt es sich, zu rechnen. Das bedeutet, auch beim Leistungsangebot des jeweiligen Pflegedienstes genau hinzuschauen. Da jeder Pflegedienst andere Rahmenverträge mit den einzelnen Kassen ausgehandelt hat, kann es sein, dass ein und dieselbe Leistung bei dem einen Pflegedienst mehr, beim anderen weniger kostet. Im Umkehrschluss heißt das, dass Sie entweder mehr Leistung und Hilfestellung erhalten, wenn Sie den vollen Pflegegeldbetrag ausschöpfen, oder aber für Sie mehr Pflegegeld bleibt, wenn Sie Kombileistungen in Anspruch nehmen.

Es lohnt sich also, mehrere Vergleichsangebote bei mehreren Pflegediensten einzuholen und genau zu prüfen, wie und vor allem was angeboten und danach auch abgerechnet wird.

Hilfestellungen und gute Tipps im individuellen Einzelfall gibt es bei der Pflegeberatung Ihrer Krankenkasse. Das ist entweder eine Hotline, die Sie kostenfrei anrufen können, oder es sitzen Damen und Herren vor Ort, die auch gerne zu Ihnen ins Haus kommen, um Detailfragen zu klären und Ihnen beratend zur Seite zu stehen.

Ich wünsche Ihnen eine gute Entscheidung und viel Kraft für Ihren Pflegealltag.
Ihre Eva-Maria Popp

Weitere Tipps und Informationen zum Thema Pflegegeld und Pflegegesetz finden Sie in unserem Ratgeber Häusliche Pflege

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