Seelensprengstoff Silvester

Böller bringen die Erinnerung zurück!

Achtung Silvester

© Brad Pict – Fotolia

Jedes Jahr wieder – die Nationen rund um den Erdball feiern den Beginn des neuen Jahres mit beeindruckenden Feuerwerken und Shows. Für viele Menschen sind die farbenprächtigen Shows eine große Freude und helfen dabei, das neue Jahr mit guten Wünschen und einem Spektakel zu „ beschwören“. Doch wie immer im Leben heißt es in diesem Fall: Des einen Freud ist des anderen Leid.

Das Leid liegt im Falle der Silvesterböller auf Seiten der Senioren und vor allem der Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen.

Vor allem die Frauen unter ihnen haben die Bombennächte des 2. Weltkrieges hautnah und live miterlebt. Die Männer waren in den Schützengräben dem Höllenlärm der Granaten und Gewehre ausgeliefert. Die Zeit nach dem Krieg war dem Aufbau gewidmet. Die Geschäftigkeit hat geholfen, die schlimmen Erlebnisse zu verdrängen. So liegen die Schrecken des Krieges und seiner Lärmattacken mehr oder weniger gut verschlossen in den Seelen und Köpfen unserer Senioren.

Allerdings können sich Erlebnisse wie die Silvesternacht im wahrsten Sinne des Wortes als Sprengstoff erweisen und den „Seelensafe“ knacken.

Die Folge davon ist ein unkontrolliertes Erinnern an die Schrecken der Vergangenheit, mit der Gefahr, dass sich ein Schockzustand oder Panikattacken einstellen.

Deshalb bitte ich Sie, liebe Angehörige, sorgen Sie dafür, dass die Senioren, die von Ihnen betreut werden, in der Silvesternacht abgeschirmt werden vor dem Lärm der Böller. Sie können Oropax verwenden oder auch Kopfhörer und Musik einsetzen. Diese prophylaktischen Maßnahmen schützen vor Spätfolgen, die ansonsten vor allem bei Menschen mit Demenz nicht mehr aufgearbeitet werden könnten.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie eine friedliche Silvesternacht und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Ihre Eva-Maria Popp

 

Artikel weiterempfehlen

Ein Gedanke zu „Seelensprengstoff Silvester

  1. Christoph

    Hallo liebe Frau Popp, ich kann Silvester nichts abgewinnen und finde es darüber hinaus unnötig welcher sozialer Druck den Menschen dadurch auferlegt wird. Dazu kommt natürlich der Aspekt den Sie genannt haben. Herzliche Grüße, Christoph

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.