So machen unsere Kinder der Demenz Beine

So machen unsere Kinder der Demenz Beine

© Tetiana Kolinko – Fotolia

Heute möchte ich Sie auf ein Thema aufmerksam machen, das meiner Meinung nach im Umgang mit unseren demenziell Erkrankten noch viel zu wenig beachtet wird. Es geht um unsere Kinder und wie sie ganz leicht und selbstverständlich einen tiefen und ehrlichen Zugang zur Seele und zum Geist unserer Angehörigen bekommen.

Kinder rühren das Herz eines demenziell Erkrankten, weil das sogenannte Kindchenschema als Instinktverhalten in der Psyche und im Geist jedes Menschen tief verankert ist.

Sie kennen das sicher:
Sobald wir mit einem Kleinkind kommunizieren, wechseln wir automatisch in eine andere, höhere Stimmlage und wählen Begriffe aus der Babysprache. Außerdem löst das Kindchenschema den Beschützer- und Betreuungsinstinkt in uns aus. Das Kindchenschema wird bei Menschen über die Form von großen Augen und einem großen, sehr runden Kopf ausgelöst. Die moderne Werbepsychologie macht sich das Kindchenschema ebenfalls zunutze. So wird manches Produkt über das Kindchenschema verkauft, indem die Produktdesigner die Verpackung danach ausrichten.

Da Instinkte im Gehirn anders angelegt sind als Wissensinhalte, sind sie weniger von den Auswirkungen der Demenz betroffen und funktionieren bis zum Lebensende. Deshalb sollten wir viel mehr mit Instinktverhalten arbeiten, wenn wir unsere demenziell Erkrankten aktivieren und vor allem tief in der Seele berühren wollen.

Die Kinder wiederum haben ein sehr tiefes Verständnis dafür, wie und was der demenziell Erkrankte fühlt, weil sie weniger verstandesgesteuert sind als wir Erwachsenen. Wo uns die Vernunft oftmals den Blick und den Zugang zu unserem Angehörigen verstellt, agieren Kinder ganz natürlich und erweitern ihren Erfahrungsschatz und ihre Erlebenswelt.

Deshalb ist es mehr als legitim, die Erlebenswelt von Kindern und die Erlebenswelt von Menschen mit Demenz zusammenzubringen.

Karin Popp, eine erfahrene Altenpflegerin und NONNA ANNA®– Betreuerin, hat den positiven Mechanismus des Kindchenschemas erkannt und nimmt seither ihren kleinen Liebling regelmäßig zu ihren Patienten mit – ganz zur Freude aller.

Lesen Sie einen berührenden und interessanten Erfahrungsbericht von NONNA ANNA®– Betreuerin Karin Popp:

„Als NONNA ANNA®– Betreuerin bin ich es gewöhnt, dass ich als letzte Hilfe in großer Not zu pflegenden Familien gerufen werde. Schließlich ist es der wichtigste Mehrwert von NONNA ANNA®, dass der NONNA ANNA®– Betreuer zu allen Tages- und Nachtzeiten kommt und vor allem auch in Härtefällen zum Einsatz kommt, wo die „normale“ Betreuung und Beschäftigung nicht mehr wirksam ist.

So auch im Fall von Frau A. und ihrer Tochter, die mich eines Tages verzweifelt anrief und mir ihr Leid klagte:

Sie habe keine Möglichkeiten mehr, irgendwie zu ihrer Mutter durchzudringen. Sie wisse einfach nicht, was sie noch tun solle mit ihrer Mutter:

So beschreibt die Tochter die Gesamtsituation:
Frau A. hat Demenz und es fällt ihr, der Tochter, sehr schwer, mit dieser Situation umzugehen. Hilfen bekommt sie keine mehr. Die mobilen Schwestern besuchen sie nicht mehr, da sie zu Frau A. keinen Zugang mehr bekommen. Keiner kommt mehr an sie heran. Sie geht seit Jahren nicht mehr außer Haus und wirkt immer traurig. Sie  redet kaum noch mit Mitmenschen und nimmt am Tagesablauf nicht mehr teil. Teilweise steht sie gar nicht mehr auf und bleibt den ganzen Tag im Bett liegen und weint. Manches Mal wird sie sogar aggressiv.

Ich beruhigte die verzweifelte Tochter erst einmal und vereinbarte einen ersten Gesprächstermin vor Ort. Da ich aus meiner langjährigen Erfahrung mit demenziell Erkrankten wusste, dass diese oftmals auf Kinder reagieren, vor allem die älteren Damen, wagte ich den Versuch und nahm meinen einjährigen Sohn Thomas mit zum Gespräch.

Anfangs  empfing mich Frau A.  sehr zurückhaltend und redete kaum mit mir. Als sie jedoch Thomas entdeckte, begann sie wie ein Wasserfall zu sprechen. Sie wollte alles über meinen Sohn wissen und ich merkte förmlich, wie sich ihr Gesichtsausdruck lockerte und ihre Augen anfingen zu leuchten. Sie nahm von sich aus Kontakt auf zu Thomas und wandelte sich innerhalb weniger Minuten zur sorgenden Großmutter.

Mittlerweile hat es sich so entwickelt, dass Thomas die komplette Betreuungsstunde dominiert. Wenn der Kleine müde wird, na dann wird er eben im Wagen spazierengefahren. Wenn er Hunger hat, wird nach dem Richtigen gesucht, was für den Kleinen geeignet ist. Frau A. bereitet dann schon mal extra für ihn einen Pudding zu. Wenn Thomas spielen will, macht sie gerne mit. So macht sie sich schon mal auf den Weg, um Kastanien zu sammeln, damit der Bub etwas zu spielen hat. Und wenn alle zufrieden sind, kann es schon mal passieren, dass mein Sohn gemeinsam mit Frau A. auf der Couch landet und beide ein Nickerchen machen. Am schönsten ist es für mich dabei, bei beiden den glücklichen und zufriedenen Gesichtsausdruck zu betrachten.

Dann komme ich ins Grübeln und bin selbst erstaunt, was ich mithilfe meines kleinen Sohnes schon geschafft habe bei meinen demenziell erkrankten Patienten. Ich bin einfach nur überwältigt.

Kleine Kinder begegnen den Betroffenen anders als wir.

Die Erkrankten müssen sich nicht zusammenreißen. Die Kleinen haben sie so lieb, wie sie sind. Und das ist für Menschen mit Demenz wie ein Geschenk.“

Anmerkung der Redaktion:
Damit Sie alle wissen, was NONNA ANNA® macht, im Folgenden die Erklärung:

Montessori für Senioren – NONNA ANNA® macht‘s möglich

Die NONNA ANNA®-Methode basiert auf der Montessoripädagogik und arbeitet situationsorientiert und vor allem sehr individuell und mit allen Sinnen. Das wichtigste bei NONNA ANNA® ist das Normalitätsprinzip und die Möglichkeit der Selbstbestimmung, die sehr häufig über den Einsatz des NONNA ANNA®-Materials gewährleistet wird.

Entlastung von pflegenden Angehörigen

Der NONNA ANNA®-Betreuer kommt nach Absprache ins Haus und entlastet so die pflegenden Angehörige. Er/sie geht aber auch Kaffeetrinken, einkaufen, schwimmen, zum Friseur …. Aktivieren, betreuen und beschäftigen, mit allen Sinnen arbeiten, das Leben lebenswert machen! Das ist seine Aufgabe.

 

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesem Ausflug in die Welt der Kinder und der NONNA ANNA® eine Möglichkeit aufzeigen, wie auch Sie Ihren demenziell Erkrankten mithilfe von Kindern eine „neue-alte Welt“ eröffnen können.

Alles Liebe wünscht Ihnen
Eva-Maria Popp

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