Tablet & Co für Menschen mit Demenz

Sinn oder Unsinn?

praxis

© Tyler Olson – Fotolia

Eine aktuelle Forsa-Studie besagt, dass Senioren ab 65 Jahren gerne Tablets benutzen. Dieses Ergebnis erstaunt auf den ersten Blick, weil Senioren nicht gerade zu den sogenannten Digital Natives gehören. Unter diesem Fachbegriff verbergen sich alle Erwachsenen, die nach 1980 geboren sind. Sie wurden bereits mit dem Computer groß und haben die Funktionen der digitalen Welt quasi „mit der Muttermilch aufgesogen“.

Alle anderen erlernen die digitale Welt und einen leichten Umgang damit mehr oder weniger.

Allerdings sind die Vorteile nicht zu übersehen und so ist es mit der digitalen Welt wie im richtigen Leben: Die einen sind neugierig auf Neues und erfreuen sich daran, die anderen sind eher ängstlich und haben Scheu vor dem Umgang mit dem Computer.

Ich möchte Sie, die pflegenden Angehörigen, heute anregen, eine gewisse Scheu, die Sie eventuell vor dem Computer haben, zu überwinden, und Sie und Ihren zu Pflegenden mitnehmen in die digitale Welt. Sie werden zu Recht fragen: „Muss das sein? Wir haben eine verantwortungsvolle Aufgabe und sind mit der Betreuung unseres demenziell Erkrankten mehr als beschäftigt.“

Meine klare Antwort: „Ja, das macht Sinn und deshalb muss es sein!“

Angeregt durch die oben genannte Forsa-Studie, habe ich in Selbstversuchen mit mehreren demenziell Erkrankten mit einem Tablet gearbeitet, das eigentlich für den Einsatz im Kindergarten entwickelt wurde. Dabei habe ich festgestellt, dass die brillanten Farben und die großflächigen Muster, die die einfachen Zuordnungsspiele auf dem Tablet aufweisen, die Neugierde der Menschen mit Demenz herausfordern.

Dazu ist ein kleiner Exkurs über die Neugierde fällig:
Neugierde ist eine angeborene und tief im menschlichen Wesen verankerte Eigenschaft, die auf Instinkten beruht. Die Neugierde und die Lust am Ausprobieren ist es, die uns Menschen seit der Steinzeit weitergebracht hat. Dieser angeborene Forscherdrang geht auch durch die Demenz nicht verloren – im Gegenteil. Wenn die anerzogenen Vorbehalte gegen das Probieren und Experimentieren allmählich in der Demenz verloren gehen, dringt der Forscherdrang ungehemmt und vehement durch. Diese Tatsache können Sie jeden Tag an Ihrem demenziell Erkrankten feststellen. Sie gehen jedem Impuls, den Sie erhalten, einfach und ungebremst nach.

Deshalb ist es sinnvoll, dieses impulsgesteuerte natürliche Verhalten zu steuern und zu einer gezielten Aktivierung zu nutzen.

Bei meinen Selbstversuchen habe ich festgestellt, dass die Freude über das Schieben und Drücken auf dem Tablet groß war.

Vor allem ist man WICHTIG, wenn man mit einem Computer ARBEITET.

So möchte ich Sie auffordern, Ihre eigene Scheu vor dem Computer zu überwinden und Ihre Enkelkinder oder auch Nachbarskinder um Hilfe zu bitten. Diese freuen sich bestimmt, wenn sie Ihnen und Ihrem Angehörigen zur Seite stehen können und Ihre ersten Gehversuche in Sachen digitale Welt unterstützen dürfen.

Los geht‘s!

 

Ich bin gespannt auf Ihre Rückmeldungen und freue mich über Ihre Kommentare zu diesem Thema.

Herzliche Grüße

Ihre Eva-Maria Popp

 

Empfohlene Produkte

 

Artikel weiterempfehlen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.